In meinem Bücherregal gibt es dieses eine Buch. Eines, aus dem ich nicht nur Inspiration schöpfe – ich entnehme ihm so viel mehr: Verständnis zum Beispiel. Und Selbsterkenntnis. Aber auch Motivation. Energie.
Tja, da hätten wir sie wieder einmal, die Kraft der Einfachheit. (Alles) eigentlich wie immer also, dürfte sich der eine oder andere von euch an dieser Stelle denken. Aber: Weit gefehlt! Nicht alles ist wie immer.
Ich erinnerte mich erst zwei Tage später an die Worte: die viel zu passenden aus jenem Buch. An keine anderen als diese hier.
she herself is a wildling. give her freedom – and mountains will shake.
Alles war also nicht so wie immer… Erfreulicherweise! Anders war nämlich, dass ich sie erstmalig so richtig, richtig fühlte, die Freiheit. Ich fühlte das Potenzial – das der Freiheit und (!) mein eigenes – und unser gemeinsames Vermögen. Ganz zu schweigen von der ganzen Kraft dahinter. Ich fühlte aber auch die Ruhe, die mit diesem Gefühl, mit dieser Stimmung einherging. Eine Ruhe, die sich schlagartig in mir ausbreitete, als ich dort – einfach so! – für einen kurzen Moment saß, meinen Blick und all die Gedanken abschweifen ließ. Zu Füßen dieser unglaublich schönen Natur(-kulisse).
Ob ich Glück nicht nur empfand, sondern auch ein Quäntchen davon hatte? Und wie! Ich kam nämlich zur rechten Zeit am Eibsee an. Der Großteil der Touristen war bereits in etliche Reisebusse verfrachtet und auch der Parkplatz ein wenig leerer geworden… Zwar traf ich einige Gleichgesinnte, konnte diese aber an nur zwei Händen abzählen – und, exakt, mit jener Tatsache entsprechend ziemlich gut leben.

Dies war nicht mein erster Besuch am Eibsee. Ich wusste folglich, wohin und insbesondere an welche Stelle ich wollte. Ich kannte das Fleckchen Erde, an dem ich einfach ein wenig sitzen und abschweifen wollte. Mit allem. Im Hier & Jetzt. Die Stimmung an jenem Abend veränderte sich mit jeder Minute, in der die Sonne tiefer sank. Sie tauchte die Bergwelt in ein wärmendes Licht, nahm ihr eine gewisse Bedrohlichkeit, brachte sie mir schlichtweg näher. Machte sie greifbarer, spürbarer. Auf eine unsagbar schöne Art.

An manchen Stellen schimmerte das Seewasser in verschiedensten Blautönen. Das Wettersteingebirge spiegelte sich ganz unverkennbar darin. Aussagekräftig genug, möchte ich meinen…

Mitunter wusste ich gar nicht, wie mir geschah. Wohin ich zuerst sehen, was ich danach beobachten sollte. Während die Sonne mehr und mehr hinter dem gegenüberliegenden Berg verschwand… und die Zugspitze abermals zu Gold wurde.

Einige Minuten nach ihrem Untergang machte ich mich auf den Rückweg. Ich musste schließlich noch eine Weile zurücklaufen, traf nun kaum noch andere Menschenseelen und hatte natürlich, wie es die Spontaneität an jenem Tag so wollte, weder Taschen- noch Stirnlampe dabei… Dennoch: Ich musste immer wieder stehen bleiben. So viele Dinge wollten entdeckt, so viele Momente und Erinnerungen an jenen magischen Abend eingefangen werden.
Die Berge spiegelten sich noch immer im Seewasser. Hin und wieder kam eine kleine Welle, brachte das Bild in Bewegung – um sich kurz darauf wieder seelenruhig spiegeln zu lassen. Mittlerweile rückte der Gipfel gefühlt näher und näher. Die Lichter im Häuschen ganz oben auf der Zugspitze ließen ihn so greifbar erscheinen. Friedlich ließ sich ihr Abbild in sanften Wellenbewegungen über den See treiben…

Und während sich der Himmel über der Zugspitze allmählich nachtblau färbte, hatte die Sonne auf der anderen Seite ihre ganz eigenen Farben hinterlassen. Das letzte Tageslicht tauchte nicht nur diese atemberaubend schöne Landschaft – sie brachte auch mich in eine unglaublich schöne, unter gewissen Umständen gar seltene Ruhe…

Wieder und wieder blickte ich hinauf zur Zugspitze. Wieder und wieder musste ich mich kneifen. Ich spürte, was diese kurze Zeit in den Bergen mit mir gemacht hatte. Was darüber hinaus die Wildnis mit mir anstellte. Fühlte das, was da durch kleine & große Wellen auf mich zukam. Fühlte die Freiheit, aber auch die Kraft dahinter. Umso ausschlaggebender allerdings: Ich fühlte meine eigene Kraft. Und ich spürte, dass ich ihr mehr und mehr Vertrauen schenkte.
Die Berge, die sich noch immer im Seewasser spiegelten, bestätigten mir nicht nur am Ende jenes Tages, sondern auch heute: Ein simpler Entschluss, der eigene Wille. Mit all dem, was sich dahinter verbirgt. All das kann Berge versetzen.
❤

Um abschließend einfach noch einige jener Impressionen für sich sprechen zu lassen:





