ein bisschen #winterduft

Endlich! Ein erster Hauch vom nahenden Winter liegt in der Luft. Die Nächte werden wieder kälter, die Bäume sind inzwischen komplett nackig und auch das Wild hat sich allmählich sein wohlverdientes Winterkleid angezogen. In die kühle Novemberluft mischt sich nun immer häufiger der Geruch von zahlreichen knisternden Kaminöfen, vor die wir uns – ganz besonders nach Eintritt der Dunkelheit – viel zu gerne kuscheln, uns nach einem ausgiebigen Waldspaziergang wieder aufwärmen oder einfach ein simples Nickerchen in Gesellschaft unserer treuen Fellnasen abhalten. Schließlich machen sie uns auf ihre Art und Weise vor, wie man nach einem anstrengenden (Hunde)Tag am allerbesten zur Ruhe kommt: Einfach auf die Seite schmeißen, vor den wärmenden Kamin versteht sich, und sich in den folgenden drei Stunden möglichst wenig bewegen. Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber ich als „Nasenmensch“ habe den Winter wahrhaftig riechen können. Ich rieche auch den Frühling, den Sommer und den Herbst. Mag sich verrückt anhören, ist aber tatsächlich so. Vermutlich habe ich diese Fähigkeit von meinem Vater „geerbt“, denn selbst meine Großmutter kann bestätigen: „Ihr könnt ja Schweinedreck im Dunkeln riechen!“. Nun ja, lassen wir das einfach so im Raum stehen… Zurück zu meinem Vater, zurück zu meiner Kindheit, zurück zu meinem Lieblingsland: Schweden. Ich bin mit diesem Land aufgewachsen. Immer wenn wir nach der für uns Kinder damals unerträglich langen Autofahrt erstmalig schwedischen Boden unter unseren kleinen Füßen hatten, fragte mein Vater: „Und, riecht ihr das? Ihr seid in Schweden!“ Klar, als Kind nickt man grinsend generell vieles ab. So auch diesen Geruchstest. Mit fortschreitendem Alter, in meinem Fall ab dem 14. Lebensjahr, wusste ich allerdings ziemlich schnell, was er damit meinte. Es stimmte jedenfalls – man kann es riechen! Schweden riecht anders – mehr nach Wald, mehr nach Erde, gewiss abhängig von der entsprechenden Jahreszeit. Generell ist die Luft im hohen Norden klarer, sauberer. Riecht, ich möchte fast sagen, süßer. Vielleicht auch milder, in jedem Fall aber riecht sie unheimlich gut. Möglicherweise habe ich es mir einfach angewöhnt – das erste, was ich nach Ankunft mache, sei es in Schweden oder in Bayern, auf Gran Canaria oder zuhause in Norddeutschland: Ich schnuppere. Ich rieche. Ich atme, so tief es irgendwie geht, ein. Nicht nur draußen sondern auch drinnen. Ist euch zum Beispiel schon einmal aufgefallen, dass jedes Haus seinen eigenen Geruch hat? Ich persönlich verbinde daher mit unterschiedlichsten Gerüchen auch gewisse Erinnerungen, die ich jedes Mal auffrische, sobald ich an beliebigen Orten eingeatmet, geschnuppert und jene Gerüche in der Luft wiedererkannt habe. So also auch gestern: Es roch definitiv nach Winter! Prompt wurde mir warm ums Herz. So habe ich mir schnell meine Kamera geschnappt und meine Hunderunde gedreht. Es ist bekanntlich erschreckend, wie schnell die Zeit rast und wie früh es inzwischen wieder dunkel wird. Erschreckend auch, dass es an manchen Tagen gar nicht erst hell zu werden scheint. November eben, wie er leibt und wie er lebt. Am Montag eröffnen hier in Norddeutschland die Weihnachtsmärkte und morgen, Sonntag, wurde sogar der erste Schneeschauer vorhergesagt. Lassen wir uns mal überraschen – ich bin jedenfalls vorbereitet und in voller Vorfreude auf die eine oder andere Schneeflocke: Die Kamera ist aufgeladen und meine Akkus sind es ausnahmsweise auch. 🙂